Touristik
Waldsee Rieden
"Bypass" rettete den Riedener Badespaß


Bis zum Spatenstich am Waldsee verging viel Zeit - Großer Erfolg überraschte

Wie macht man aus einem sumpfigen Gelände einen schönen See, der Touristen anlockt ? Als diese Frage vor fast 40 Jahren in Rieden aufkam, konnte sich noch keiner vorstellen, was alles getan werden muss, damit ein solcher See in der Nähe des Ortes entsteht. Seit 25 Jahren gibt es den Waldsee Rieden nun bereits. Nicht alle Ziele von damals wurden bislang erreicht. Doch Schritt für Schritt ist die Gemeinde auf dem Weg.

 

Ein Sonntag im Mai wie jeder andere, nachmittags. Die Sonne scheint. keine Wolke trübt den Himmel. Es ist sommerliches Wetter. Der See hat noch keine Wärme speichern können. Trotzdem begeben sich die ersten Wagemutigen ins Wasser. Während jemand gerade sein Gummiboot ins Wasser zieht, macht ein anderer die ersten Schwimmzüge. Die meisten begnügen sich jedoch damit, sich auf der Liegewiese zu sonnen, spazieren zu gehen oder zu joggen.

Dass ihre Vorstellung von einem idyllischen Gewässer in unmittelbarer Nähe von Rieden noch einmal Wirklichkeit werden könnte, hätten sie die "Eltern" des Waldsees nicht träumen lassen. Denn lange sah es so aus, als würde Ihre Idee vom Bau eines Sees nicht verwirklicht werden können. Die Zeit, die von den ersten Plänen Ende der 1960er-Jahre bis zur Fertigstellung des Waldsees verstirch, war nicht gerade kurz. Bis der erste Spatenstich gemacht werden konnte, was es ein langer Weg. Behörden mussten in das Projekt einbezogen, Zuschüsse bewilligt und die Genehmigung zu Bau erteilt werden. Investitionen von 4,7 Millionen Mark waren zur Verwirklichung des Projektes nötig.

"Die Idee, einen See zu schaffen, ist damals im Ortsgemeinderat entstanden. Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, das sumpfige Tal sinnvoll zu nutzen", erinnert sich Franz-Josef Kaul, ehemaliger Bürgermeister des Ortes. Dass der See auch zur Ankurbelung des Fremdenverkehrs nützlich sein könnte, bedacht man erst später.

 



Was für eine Freude, als der See endlich fertig war. Zwischen den Riedener Mühlen und dem Ort Rieden war ein Stausee mit einer Wasserfläche von etwa vier Hektar entstanden, der aus dem Rehbach gespeist wird. Weil die Quelle am Pfarrhaus entspringt, wird der Waldsee scherzhaft auch als "größtes Weihwasserbecken" bezeichnet. Eigentümer des Sees wurde der Zweckverband Waldsee Rieden. "Nach kurzer Zeit wurde der See bei schönem Wetter zum Baden genutzt. Plötzlich kaufte fast jeder im Ort ein Schlauchboot, mit dem er zum See fuhr", berichtet Kaul. "Bei den Planungen hatten wir gar nicht damit gerechnet, dass im Sommer so hohe Wassertemperaturen erreicht werden könnten." Im Winter dagegen friere der See so weit zu, dass die Besucher Eis laufen können.

Der See wurde zudem zu einem beliebten Veranstaltungsort. Nicht nur die 1100-Jahr-Feier des Ortes wurde dort begangen. Auch die "Nacht der Vulkane" wurde schon mehrmals am See eröffnet. Ortsvereine nutzen das Geländer gerne. Regelmäßig finden Feste und Konzerte statt. "Der See ist eine herrliche Umgebung zum Feiern", berichtet Gemeinderatsmitglied Joachim Engel.

Nachdem sich Ortsansässige und Gäste von außerhalb viele Jahre am See erfreut hatten, kam 2001 überraschend das Aus: Für den See wurde ein Badeverbot ausgesprochen. Wasserproben hatten ergebenm, dass sich Keime im Wasser nachweisen ließen. Grund dafür war Wasser, das bei starkem Regen aus zwie Becken der Kläranlage in den Rehbach übergelaufen war. Die Folge war, dass das Gewässer den Richtlinien der Europäischen Union (EU) nicht mehr genügte.

Die Lösung war ein "Bypass", der Schmutzwasser derart umleitet, dass es nicht mehr in den Waldsee gelangen kann. War diese Maßnahme aufwendig und mit Baukosten von etwa einer Million Euro verbunden, so war sie auch wirksam. Weil nun kein Fremdwasser mehr den See erreichen kann, ist er fast so sauber wie Trinkwasser. Die aktuellste Messung vergab eine Sichttiefe des Wassers von 1,40 Meter, womit das Kriterium von einem Meter deutlich eingehalten wird.



Der Nutzen als Badeort war von jeher ein Pluspunkt des Sees. "Bis zum Badeverbot besuchten an warmen Tagen bis zu 700 Tagesgäste das Gewässer", sagt Ortsbeigeordneter Hans-Peter Doll. Die Attraktivität des Sees gehe außerdem von seiner zentralen Lage aus. Die Nähe zu Sehenswürdigkeiten wie der Burg Eltz oder dem Deutschen Eck zieht viele Gäste an. Der See lockt viele Tages- und Wochenendgäste.

Damit Rieden attraktiver für Touristen wird, wird momentan der Ferienpark Waldsee Rieden gebaut. "Bereits in frühen Plänen war der Baú einer Ferienanlage vorgesehen", sagt Kaul. Das mangelnde Interesse potenzieller Investoren verzögerte die Umsetzung erheblich. Erst nach 20 Jahren fast sich ein Investor, die "Projektgesellschaft Waldsee Rieden". Mit dem Bau der Ferienhäuser konnte begonnen werden, nach dem 22 von 102 Grundstücken verkauft waren. Kaul ist zuverzichtlich, dass das Interesse an den Ferienhäusern bleibt. "Die Entwicklung hat gezeigt, dass wir in die richtige Richtung arbeiten."

Nicht nur durch die Ferienhaussiedlung soll das Angebot am See erweitert werden. Weil einige Anlagen durch den Bau des "Bypasses" zerstört wurden, befindet sich der Freizeitbereich im Aufbau. Surfkurse und Bootsfahrten, die vor dem Badeverbot auf dem See angeboten wurden, sollen wieder eingeführt werden. Toiletten und Umkleiden sind geplant. Ein Baumlehrpfad soll wieder errichtet, die Beschilderung am Waldsee erneuert, und gute Wanderwege um dass Gewässer sollen geschaffen werden. Eine weitreichende Vermarktungsstrategie ist in Arbeit.

Damit zukünftig kein Badeverbot am Waldsee droht, will man auch den Naturraum See im Auge behalten. Ansiedeln zusätzlicher Sauerstoff produzierender Pflanzen, Kontrolle des Fischbestandes und ständige Pflege des Sees sollen den Fortbestand und die Qualität des Waldsees sichern.

 


Die Geschichte des Waldsees

1968: Erste Pläne zum Bau des Sees werden in einer Ortsgemeinderatssitzung besprochen.

1971: Das Wasserwirtschaftsamt fordert einen Landschaftsplan.

1974: Projetk Waldsse wird bewilligt; es gibt Zuschüsse.

1977: Die Kosten für den Stausee werden überarbeitet. Ein Zweckverband für den See soll gegründet werden.

1978: Die Flächen für ein Feriendorf werden festgelegt.

1979: Die Arbeiten am Waldsee werden ausgeschrieben.

1980: Verkehrsminister Holkenbrink macht den ersten Spatenstich. Der Bau beginnt.

1982: Der See wird fertiggestellt und eingeweiht.

2001: Badeverbot am Waldsee-die Keimbelastung des Wasser ist zu hoch.

2004: Bauarbeiten mit dem Ziel, Abwasser und Regen umzuleiten. Die Wasserqualität soll besser werden. Spatenstich für den Ferienpark.

2006: Die Wasserqualität stimmt wieder-Baden ist erlaubt.

2007: Rieden und die Region feiern 25 Jahre Waldsee mit Festwochenende.

 

 


"Seehütte"-Chef mag kein Freibad-Flair


Gastronom betreibt seit zehn Jahren Hotel und Restaurant-Ein Bootsverleih ist geplant

Seit ihrer Eröffnung in den 1980er-Jahren werden die "Eifler Seehütte" und der Riedener Waldsee von vielen Ansässigen als unzertrennliche Einheit betrachtet. Nunmehr zehn Jahre betreibt Marc Günzel die "Seehütte", ein direkt am See gelegenes Restaurant und Hotel.

"Meine ersten Erfahrungen machte ich, als der Waldsee zum ersten Mal ein Badegewässer war", blickt Marc Günzel zurück, Sonntags bei schönem Wetter sei immer viel Betrieb gewesen. Das circa die Hälfte aller Seebesucher am Ort essen und trinken wollten, erfuhr die "Seehütte" regen Zuspruch. Dies änderte sich mit dem plötzlichen Badeverbot. Umsatzeinbußen und gesunkene Besucherzahlen waren die Folge, die Günzel zu spüren bekam. Während der Bauarbeiten zur Verbesserung der Wasserqualität litten Touristen und Gastronomie erneut. Dass der See nun wieder zum Baden genutzt werden kann, freut nicht nur Günzel. Der wiederbelebte Tourismus sei auch für die ganze Region von Nutzen, findet er.

Nicht nur mit dem See, sondern auch mit dessen Besuchern kennt sich Marc Günzel aus. "Die Hälfte aller Gäste kommt aus der Region zum See. Aber auch viele Auswärtige, vor allem aus der Region Köln/Bonn, besuchen Rieden." War die "Seehütte" ehemals eine Art Wanderhütte und wurde vorwiegend von Tagesgästen besucht, hat sie sich inzwischen in Richtung gehobener Gastronomie entwickelt. Als bislang einziger Gastronom am Ort weiß er um die Attraktion des Waldsees.

"Die Mehrzahl meiner Gäste bleibt übers Wochenende, Die schöne Landschaft und die Ruhe werden von ihnen sehr geschätzt." Weil die vier Doppelzimmer des "Seehütte" im Sommer immer belegt seien, hat Günzel keine Angst vor Konkurrenz durch die neuen Ferienhäuser am See. "Je mehr Angebote an die Besucher gemacht werden, umso mehr ist los."

Der Gastronom begrüßt Pläne zur Erweiterung des Angebotes um den See. So plant er selbst, seinen Bootsverleih wieder ins Leben zu rufen. Die Attraktivität des Sees als Badegewässer könne mit besseren Liegewiesen und dem Bau eines Einstiegs ins Wasser gesteigert werden. Auch ein Minigolfplatz ist laut Günzel denkbar. Dennoch steht er einigen Ideen in Bezug auf die Zukunft des Gewässers kritisch gegenüber: "Ein Freibad-Flair am Ort wäre meiner Meinung nach nicht wünschenwert."

 


Tourismus als Perspektive

Mit dem Feriendorf hofft Rieden auf viele Gäste aus ganz Deutschland

 

Theo Krayer, Ortsbürgermeister von Rieden, hofft auf Geldsegen. Den soll das Freizeitgebiet am Riedener See bald mit sich bringen. Anträge zur finanziellen Förderung des Feriendorfes sind gestellt und mittlerweile auch genehmigt. Nur wann die Riedener mit dem Geldsegen rechnen können, ist noch nicht klar. Geld und Arbeitsplätze sollen auch die zahlreichen Touristen bringen, auf die man in Rieden hofft. "Bisher kamen vor allem Leute aus dem Bonner und Kälner Raum in die Eifel", erklärt Krayer. Mit der bundesweiten touristischen Vermarktung des Riedener Feriendorfes sollen nun Naturfreunde aus ganz Deutschland angesprochen werden.

 

Als Hauptattraktion für die Tagesausflügler und Feriendorfbewohner gilt natürlich der Riedener See - mit der Aussicht, schon bald als Badesee genutzt werden zu können. Auch mit der Nähe zu Maria Laach und zum Nürburgring wirbt Rieden. Die touristische Infrastruktur sei, so Krayer, bereits jetzt schon vorhanden: Es gibt sowohl eine ausreichende medizinische Versorgung als auch Einkaufsmöglichkeiten für die Gäste.

 

Um Rieden touristisch noch attraktiver zu machen, plant die Gemeinde nun, mitten im Dorf eine parkähnliche Anlagen zu gestalten. Der Ortschef setzt hierbei auf die Eigeninitiative von den Riedenern. "Wir wollen Wegesteine mit den ortstypischen Namen aufstellen", berichtet er. Verschiedene Gesteinsarten aus der Region sollen von ortsansässigen Steinmetzen entsprechend gestaltet werden.

 

"Wie in vielen anderen Gemeinden auch, wird auch in Rieden vieles in Eigenleistung gemacht", berichtet Theo Krayer. So hofft der Ortschef daruaf, dass sich einige Bürger bereit erklären, eine Art Patenschaft für die Pflege der Grünanlagen im Neubaugebiet zu übernehmen.

 

Doch nicht nur mit einem properen Ortsbild möchte die Gemeinde bei ihren Besuchern punkten, sondern mit der touristischen "Erschließung" der Natur rund um Rieden. Damit es nicht nur den Einheimischen vorbehalten bleibt, von den Wandermöglichkeiten zu schwärmen, sondern auch den ortsfremden Naturfreunden, sollen die Wanderwege in der näheren Umgebung gekennzeichnet werden.

 

Eines ist und bleibt für den Ortschef unbezahlbar. Die Unterstützung, die er von den Bürgern erhält. "Viele sind mit Herzblut dabei", berichtet Krayer. Dazu zählt er auch die rege Aktivität der Vereine, die so manches auf die Beine stellen, was in anderen Kommunen nur mit reich gefüllten Kassen möglich ist. Und so ist sich Theo Krayer auch ganz sicher, dass sich die vielen Gäste, die in der nahen Zukunft erwartet werden, in Rieden wohl fühlen werden - gerade wegen der "Eifeler-Art" der Riedener.

 

Pressebericht der Rhein-Zeitung vom 07.07.2005

 



zuletzt geändert:  07:44 21/11 2007